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Stadt im Wandel: Die nordirische Hauptstadt Belfast

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Noch vor einer Generation war Belfast von einem scheinbar nicht enden wollenden Bürgerkrieg geprägt, heute zählt die größte Stadt in Nordirland zu den Trendzielen 2018 der Lonely Planet. Tatsächlich hat sich Belfast in den letzten Jahren rundum erneuert und ist nicht nur dank des neuen Titanic Quarter unbedingt eine Reise wert.

Belfast und seine turbulente Geschichte

Die Stadt am Lagan erlebte ihren großen Aufstieg im 19. Jahrhundert mit der Textilindustrie und der Tabakverarbeitung. Die Werft Harland & Wolff war zu ihrer Zeit die größte Werft der Welt und fertigte hier u.a. die legendäre Titanic an. Kurzfristig war Belfast sogar die größte Stadt Irlands noch vor Dublin. Der Ärger begann 1921 mit der Aufteilung der irischen Insel in die unabhängige (katholische) Republik Irland im Süden mit Dublin als Hauptstadt und Nordirland als Teil des (protestantischen) Vereinten Königreiches mit Belfast als Hauptstadt. Schon zu dieser Zeit kam es zu Konflikten zwischen Katholiken und Protestanten, die mit den „Troubles“ von 1969 bis 1998 ihren Höhepunkt erlebten. Schätzungen zufolge kamen in dieser Zeit über 1.600 Menschen ums Leben. Erst mit dem Good Friday Agreement kam Belfast zur Ruhe. Seither hat sich die Stadt rasant modernisiert und verjüngt.

Sightseeing in Belfast

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Die größte Attraktion in Belfast ist das moderne Titanic Quarter, das auf dem riesigen Gelände der Harland & Wolff-Werft im Hafen der Stadt entstand. Auf der ehemaligen Insel Queen’s Island entstand das markante Titanic-Museum, das die Geschichte des wohl berühmtesten Luxusliners der Welt erzählt. Dazu wurden neue Wohn- und Bürobauten errichtet, der Northern IReland Science Park und ein Yachthafen. Serienjunkies kennen die Titanic Studios im Quartier, in denen der größte Teil der Innenaufnahmen der Serie „Game of Thrones“ gedreht werden.

Das Titanic Quarter ist nur eines der vier Viertel der Stadt: Das Cathedral Quarter um die St. Anne’s Cathedral wird von zahlreichen historischen Straßenzügen geprägt und vermarktet sich heute als kulturelles Viertel der Stadt. Hier gibt es etliche Pubs, Clubs und Kunstveranstaltungen zu erleben. Das Queens Quarter wurde nach der Queen’s University benannt und bietet eher gehobene Restaurants und Clubs entlang der Golden Mile.  Etwas außerhalb der Innenstadt liegen die mittelalterliche Burg Belfast Castle und Stormont, der Sitz des nordirischen Parlaments.

Wer sich für die jüngere Geschichte von Nordirland interessiert, sollte sich einem geführten Spaziergang anschließen. An der Shankill Road sind heute noch zahlreiche Wandbilder (Murals) zu sehen, die an die Troubles erinnern. Der beste Ort um Hintergrundinformationen zu erhalten, ist das Ulster Museum, das die Geschichte der Provinz von der Frühzeit bis zum 21. Jahrhundert schildert. Geöffnet für Besucher ist heute auch Crumlin Road Goal, das notorische Gefängnis, in dem etliche irische Freiheitskämpfer und IRA-Anhänger einsaßen.

Wie komme ich nach Belfast?

Da sich Belfast gerade erst als touristische Destination entwickelt, sind Direktflüge ab Deutschland noch relativ selten. Meist ist ein Umstieg auf einem der Flughäfen von London erforderlich. Daneben ist es natürlich auch möglich in die irische Hauptstadt Dublin zu fliegen und von dort mit dem Zug weiter zu reisen. Die Fahrt dauert nur zweieinhalb Stunden. Günstige Backpacker-Unterkünfte sind vor allem im Queens Quarter um die Universität zu finden, wobei Belfast heute auch nicht mehr so billig ist wie vor einigen Jahren.

Ein Tipp: Wer Belfast sagt, muss natürlich auch Giant’s Causeway sagen: Die Felsformationen an der Nordküste von Irland gehören zum Einzigartigsten was Mutter Natur je produziert hat. Zahlreiche Veranstalter bieten bequeme Tagestouren von Belfast aus an. Wer keine Lust auf eine organisierte Tour mit ihren Zwangsstopps hat, nimmt den Zug von Belfast nach Coleraine und fährt mit dem Bus weiter bis Bushmills: Von hier ist Giant’s Causeway fußläufig zu erreichen. Bei gutem Wetter lässt sich auch noch ein (langer) Spaziergang zur Ruine von Dunluce Castle damit verbinden (die in „Game of Thrones“ als Pyke Castle, dem Sitz der Greyjoys diente) und eine Pause am langen Strand von Portrush. Vom dortigen Bahnhof geht es dann wieder nach Belfast zurück.

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Apropos „Game of Thrones„: Von Belfast aus sind natürlich auch zahlreiche Touren zu bekannten Drehorten der Serie buchbar, u.a. zum Ballintoy Beach (Iron Islands und Dragonstone), Castle Ward (Winterfell) und der King’s Road mit ihren verwunschenen Bäumen.

Autor: Marcel Winter