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Unterwegs auf dem Frachtschiff: Die andere Art der Kreuzfahrt

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Kreuzfahrten liegen seit einigen Jahren in Deutschland schwer im Trend. Junge Backpacker packt jedoch beim Gedanken an dauerhafte Zwangsbespaßung an Bord und die Socken-in-Sandalen-Brigade eher das kalte Grausen. Es gibt jedoch noch eine ganz andere Art der Schiffsreise, die zugleich eine recht günstige Möglichkeit

darstellt, von A nach B zu kommen: Die Reise auf dem Frachtschiff.

Wie komme ich auf ein Frachtschiff?

Einfach am Hafen anheuern und zum Austausch für die eigene Arbeitskraft umsonst mitreisen? So einfach ist es leider nicht. Schon längst haben Reedereien und Reiseagenturen hier einen lukrativen Markt entdeckt. Als Passagier auf einem Frachtschiff mitzureisen ist meist nicht billiger als auf einem Kreuzfahrtschiff – und schon gar nicht billiger als ein Flugticket.

Hamburg Süd Frachtschiffreisen ist in Deutschland die erste Adresse für die Vermittlung von Frachtschiffreisen und gibt sogar einen Katalog heraus. Hier können Reisende ganz bequem eine Kabine auf der gewünschten Reiseroute buchen, zum Beispiel eine Tour über den Pazifik hin und zurück: Von Long Beach (bei Los Angeles) geht es nach Neuseeland und Australien und zurück über die Fidschi-Inseln, Hawaii und Kanada. Das Ganze dauert 56 Tage und kostet stolze 5195 Euro. Allerdings sind dies weniger als 100 Euro pro Tag für eine Art All-Inclusive-Unterbringung, was den Preis dann wieder in ein anderes Licht rückt. Internationale Seiten wie freightercruises.com bieten natürlich eine noch größere Auswahl von Reedereien weltweit an.

Warum sollte ich bei den Kosten ein Frachtschiff wählen?

Weil die Reise auf dem Frachtschiff ein weit authentischeres Erlebnis ist als ein modernes Kreuzfahrtschiff, das eher an ein schwimmendes Resort erinnert, in dem Passagiere von morgens früh bis abends spät bespaßt werden. Auf einem Frachtschiff sind generell nur einige wenige Passagiere, die viel Zeit mit der Crew verbringen – sofern sie deren Sprache sprechen. Wer schon immer mal „Krieg und Frieden“ von Tolstoi oder sämtliche sieben Bände von Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ durchackern wollte, hat auf einem Frachter genug Zeit dafür. Auf dem Frachtschiff erleben Passagiere die Arbeit der Crew aus erster Hand, essen mit ihr in der Kombüse und erleben riesige Frachthäfen mit ihren Wäldern aus Stahlcontainern aus nächster Nähe.

Ein weiterer Vorteil der Frachtschiffe ist, dass sie sich nicht an typischen Urlaubssaisons orientieren: So ist es möglich, in der Nebensaison unterwegs zu sein, wenn sich nicht gerade drei Kreuzfahrtschiffe in einem Hafen drängeln und Touristenhorden die Sehenswürdigkeiten der Stadt überfluten.

Was muss ich noch beachten?

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Das Leben auf Frachtschiffen ist nichts für Zartbesaitete: Die Chancen, seekrank zu werden, sind weit größer, da Containerschiffe nicht wie Kreuzfahrtschiffe mit speziellen Stabilisatoren ausgestattet sind. Unterhaltungsmöglichkeiten sind Mangelware und Passagiere, die im Weg stehen, werden von der hart arbeiteten Crew gerne mal aus dem Weg gescheucht. Auch an die Küche dürfen keine hohen Ansprüche gestellt werden. Wer unbedingt „vegan“ essen muss oder kein Steak bestellt ohne die Lebensgeschichte der Kuh drei Generationen zurückverfolgen zu können, wird auf einem Frachter nicht glücklich.

Kurzum: Eine Seereise auf einem Frachter ist weder billig noch komfortabel, doch sie ist eine unvergessliche Art um den Ozean zu überqueren und neue Länder zu entdecken.

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