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Mit dem Fernbus durch Europa: Eine Übersicht

Reisebus, Sitzreihen und Fenster

In den meisten europäischen Ländern sind Fernbuslinien seit Jahrzehnten fest etabliert. Deutschland bildete hier lange eine unrühmliche Ausnahme, da das uralte Personenförderungsgesetz von 1935 (!) das Monopol der Bahn hegte und pflegte. Lediglich internationale Buslinien waren erlaubt, die deutsche Großstädte mit anderen europäischen Großstädten verbanden. Erst zum Januar 2013 verschwand das Uraltgesetz auf dem Müllhaufen der Geschichte und seitdem entwickelte sich der Fernbusverkehr in Deutschland rasant von 3 Mio. Fahrgästen vor der Liberalisierung im Jahr 2012 auf 8,2 Millionen im ersten Jahr nach der Liberalisierung und auf 25,3 Millionen Fahrgäste 2016. Die Liberalisierung des deutschen Marktes hatte auch Folgen für das Ausland, da viel mehr Umsteigeverbindungen angeboten werden können und deutsche Gründungen wie FlixBus dann auch bald den Schritt ins Ausland wagten. Allerdings ist der Markt durch die vielen Umwälzungen auch recht unübersichtlich geworden. Daher hier eine kleine Übersicht:

Fernbusanbieter in Deutschland: Monopolist FlixBus

Nach der Marktliberalisierung 2013 traten zunächst zahlreiche Anbieter auf, darunter junge Start-Ups wie DeinBus und FlixBus, sowie Schwergewichte wie der ADAC, der mit der Post den quietschgelben ADAC Postbus anbot. Schon bald folgte jedoch eine Marktbereinigung, bei der einige kleine Anbieter auf der Strecke blieben. Übrig blieb FlixBus, das sich mit MeinFernbus zusammenschloss und mehrere andere Anbieter wie Megabus, Postbus und den österreichischen Anbieter Hellö übernahm. Mit 93% Marktanteil ist FlixBus heute der große Monopolist in Deutschland. Daneben ist das Unternehmen auch im Ausland u.a. in Frankreich, Italien und den Niederlanden vertreten. Bislang haben sich die Befürchtungen nicht bewahrheitet, dass die Monopolstellung von FlixBus zu höheren Preisen führen würde – wer rechtzeitig bucht, ist mit FlixBus noch immer wesentlich günstiger unterwegs als mit der Bahn.

Andere Fernbuslinien in Deutschland

Die Konkurrenz hat heute einen sehr geringen Marktanteil und konzentriert sich vor allem auf internationale Strecken. Hier ist Eurolines der wohl bekannteste Vertreter, der seit vielen Jahren günstige Reisen in die Metropolen Europas erlaubt. Zwar musste die Deutsche Touring GmbH  (der deutsche Vertreter im Eurolines-Verbund) in diesem Jahr Insolvenz anmelden, doch die Busse fahren (vorerst) normal weiter. Daneben ist mit DeinBus einer der Pioniere der deutschen Szene noch auf wenigen Strecken aktiv und die tschechische RegioJet, die für deutsche Fahrgäste vor allem im Osten auf der Strecke Berlin-Dresden-Prag (und Prag-Brünn-Wien) interessant ist.

Die träge Bahn wurde durch die neue Konkurrenz so aufgeschreckt, dass sie mittlerweile mit dem IC Bus ein eigenes Fernbus-Angebot betreibt, das das Schienenangebot dort ergänzt, wo es keine direkten Bahnverbindungen gibt z.B. von Frankfurt nach Luxemburg und von Düsseldorf nach Eindhoven, Antwerpen und Lille.

Lohnt sich der Fernbus?

Reisebus, Sitzreihen und Fenster

Für den innerdeutschen Verkehr lässt sich diese Frage zu fast 100% mit ja beantworten: Sicher ist der Fernbus um einiges langsamer als die Bahn, doch wer als Backpacker preisgünstig verreisen oder einfach alte Freunde in einer anderen Stadt für einige Tage besuchen will, wird die Zeit vermutlich gerne opfern um die Preise der Bahn zu vermeiden. So lässt sich bei FlixBus auch 1-2 Wochen im Voraus ein günstiges Schnäppchen machen, während die Sparpreise bei der Bahn längt weg sind. Ein wahllos herausgegriffenes Beispiel: Wer in der „Doppelfeiertagwoche“ um den 31.Oktober und 1.November von Köln nach München fahren will, zahlt für die viereinhalbstündige Fahrt im ICE 115,90 EUR (einfache Strecke) und für die schnellste achteinhalbstündige Fahrt mit FlixBus 22,00 Euro.  Wer nimmt bei über 90 Euro Ersparnis (hin und zurück also schon 180 Euro!) nicht die vier Stunden mehr in Kauf?

Auch bei internationalen Fahrten ist der Fernbus generell das günstigste Verkehrsmittel. Wer jung und robust ist, kann z.B. über Nacht für 45,90 Euro von Köln nach Mailand fahren. Eurowings verlangt für Flüge je nach Datum und Zeit zwischen 99,00 und 239,00 Euro.  Je nach Land lohnt sich jedoch auch ein Blick auf die Eisenbahn: Der französische Thalys bringt Gäste bei rechtzeitiger Buchung für nur 35 Euro in drei Stunden von Köln nach Paris. Die einzige Fernbus-Direktverbindung benötigt sechseinhalb Stunden für 26 Euro – hier lohnt es sich in meinen Augen dann nicht mehr, bei Umsteigeverbindungen mit 10-11 Stunden Fahrtdauer schon gar nicht. Bei internationalen Fahrten ist es also immer sinnvoll, alle Reisemöglichkeiten (Fernbus, Bahn und Flugzeug) zu prüfen. Bei Fahrten innerhalb von Deutschland ist der Fernbus dagegen fast immer die beste Wahl.

Bildnachweis: Datei: #118485742 | Urheber: S. Engels

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