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Zu Besuch bei Dracula in Transsilvanien

Transsilvanien

Lonely Planet hat die rumänische Region Transsilvanien zur Nr.1 ihrer „Best of Travel 2016 erhoben. Mit den Trendreisezielen liegt die frühere Backpackerbibel, die längst ein kommerzielles Großunternehmen geworden ist, nur selten richtig und auch die Gründe für die Auswahl von Transsilvanien erscheinen eher amerikanisch geprägt: Es gibt immer mehr Airbnbs in Rumänien und in Bukarest kurven nun auch Uber-Taxen durch die Straßen. Dass der amerikanische Fahrdienst in ganz Europa eher verhasst ist, hat sich wohl noch nicht bis in die Redaktion herumgesprochen. Aber egal, ein lohnenswertes Ziel ist Transsilvanien auf jeden Fall – vor allem jetzt noch, ehe der Massentourismus in Rumänien einfällt.

Auf den Spuren des deutschen Lebens in Transsilvanien

In Deutschland ist die Region Transsilvanien auch noch unter ihrem alten Namen Siebenbürgen bekannt. Die Siebenbürger Sachsen waren deutschstämmige Aussiedler aus den linksrheinischen Bistümern Trier, Köln und Lüttich, die sich im 13. Jahrhundert in den Karpaten niederließen und dort bis zum 20. Jahrhundert eine lebendige deutschsprachige Kultur unterhielten. Nach der letzten massiven Auswanderungswelle Richtung Deutschland 1990-92 leben heute noch knapp 14.000 Siebenbürger Sachsen in der Region. Deutschsprachige Besucher kommen also auch ohne Rumänisch-Kenntnisse ganz gut zurecht.

Die kulturellen Highlights von Transsilvanien

Wohin in Transsilvanien? Die meisten zieht es unweigerlich nach Braşov (Kronstadt) und von hier weiter zum Schloss Bran (das auf Deutsch „Törzburg“ heißt): Die mächtige Burganlage wird als Schloss von Graf Dracula vermarktet. Dies ist zwar Blödsinn, denn selbst das historische Vorbild für Bram Stokers Gruselgrafen, Fürst Vlad III. Drăculea, hat nie einen Fuß in die Burg gesetzt, doch sehenswert ist das imposante Gemäuer auf jeden Fall. Seinen Ruf hatte der gute Mann übrigens der Tatsache zu verdanken, dass er die von ihm besiegten Osmanen bevorzugt per Pfählung hinrichten ließ. Wer den obligatorischen Ausflug nach Schloss Bran hinter sich gebracht hat (und hoffentlich nicht allzu viele Dracula-Souvenirs erworben hat), kann anschließend noch die Schwarze Kirche in Braşov selbst besuchen und durch die schöne Altstadt bummeln.

Ein Muss ist der Aufenthalt in Sibiu (Hermannstadt) mit ihren vielen prächtigen alten Häusern wie dem Alten Rathaus und dem Brukenthal-Palais. In ersterem befindet sich das historische Museum der Stadt, in zweiterem eine beeindruckende Gemäldesammlung. Außerhalb der Stadt liegt ein riesiges Freilichtmuseum, das die traditionelle Lebensweise in den Karpaten schildert und Gebäude aus dem ganzen Land zusammengetragen hat.

Als moderne aufstrebende Stadt gilt Cluj-Napoca (Klausenburg), die wichtigste Universitätsstadt Rumäniens mit entsprechend jugendlichem Vibe. So wie Hermannstadt als Zentrum der deutschen Minderheit gilt, ist Cluj-Napoca Zentrum der ungarischen Minderheit, so dass Besucher auf Schritt und Tritt ungarische Beschriftungen finden. Dazu bietet die Stadt mehrere sehenswerte Museen, die teilweise zur Universität gehören und veranstaltet zahlreiche Festivals, darunter das internationale Filmfestival von Transsilvanien.

Ab in die Karpaten: Die Natur von Transsilvanien

Transsilvanien

Bislang strömen jedoch eher weniger Kulturtouristen nach Transsilvanien sondern Naturfreunde und Aktivurlauber, die die Karpaten erkunden wollen. Trekking Touren führen durch eine unvergleichlich „altmodische“ Landschaft, wo die Chancen größer sind, Bauern mit Pferdekarren zu treffen als mit Traktoren. Wer auf eigene Faust durch die Karpaten ziehen will, sollte sich jedoch stets an feste Campingplätze und andere Unterkünfte halten, denn in den Wäldern sind tatsächlich noch etliche Wölfe und Bären unterwegs. Von Braşov geht es beispielsweise ins Făgăras-Gebirge und auf den höchsten Berg Rumäniens, den 2544m hohen Moldoveanu und zum Bâlea-Gletschersee. Hier eröffnete auch das erste rumänische „Eishotel“ und bot einen Vorgeschmack auf die zukünftige Kommerzialisierung der Region: http://hotelofice.ro/

Denn klar: Wo Berge sind, ist auch der Wintersport nicht weit. In den letzten Jahren entstanden in den Karpaten mehrere interessante Skigebiete, darunter Sinaia, Predeal und Poiana Braşov. Neben Skiliften für Abfahrten wurden auch Langlaufloipen, Rodelbahnen und Eisbahnen eingerichtet. Die rumänischen Skigebiete sind nicht nur ausgesprochen günstig, sondern bieten auch eine bodenständige ruhige Alternative zum extremen Rummel und Ballermann-Skitourismus in den Alpen.

Fakten: Wie komme ich nach Transsilvanien und wo übernachte ich?

Von Deutschland aus werden die Flughäfen Sibiu und Cluj-Napoca von direkt angeflogen. Die ungarische Wizz-Air fliegt beispielsweise ab Dortmund, Hahn, Berlin, Nürnberg und Köln/Bonn nach Cluj. Von Sibiu/Hermannstadt bestehen Verbindungen nach München (Lufthansa/Tarom), Stuttgart (Blue Air), Köln/Bonn und Dortmund (Wizz Air).

In den größeren Städten sind günstige Hostels und private Übernachtungsmöglichkeiten leicht zu finden. Übernachtungen kosten selten mehr als 10 Euro. Schwieriger wird es in den Dörfern der Karpaten. Wer längere Trekking-Touren plant, sollte entweder vorab buchen oder das eigene Zelt mitnehmen. Das altmodische Dorfleben in Transsilvanien lässt sich auch hautnah erleben, zum Beispiel über http://villagelife.ro: Besucher übernachten in privaten Unterkünften, packen selbst mit an und können nebenbei auch Rumänisch lernen.

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