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Geheimtipp Belgrad: Backpacking auf dem Balkan

Kalemegdan fortress in Belgrade, Serbia

Der sogenannte Balkan ist eine bis heute nicht klar umrissenes Gebiet in Südosteuropa mit so unterschiedlichen Regionen wie der massentouristischen kroatischen Adriaküste, touristisch aufblühenden Ländern wie Mazedonien und Slowenien und bislang wenig entdeckten Ländern wie Albanien und dem noch immer von Unruhen geplagten Kosovo. Mittendrin liegt Serbien, dessen Hauptstadt Belgrad zu den schönsten Geheimtipps Europas gehört.

Warum nach Belgrad reisen?

Über Jahrhunderte markierte die Save (ein Nebenfluss der Donau) die Grenze zwischen dem christlich-europäischen Territorium im Norden und dem islamisch-osmanischen Territorium im Süden. Entsprechend häufig wurden Schlachten um die an der Save-Mündung gelegene Stadt Belgrad ausgefochten, deren Architektur heute verschiedene Einflüsse von der österreichischen Habsburger-Monarchie bis zum türkischen Osmanenreich zeigt. Wie vertrackt die vielen kulturellen Einflüsse auf dem Balkan sind, zeigte sich in den 90er Jahren nach dem Zerfall Jugoslawiens, als die einzelnen Teilstaaten in blutigen Kriegen gegeneinander wandten. Bis heute ist der Konflikt um den nominell unabhängigen Kosovo, den Serbien weiterhin als seine autonome Provinz betrachtet, nicht vollständig gelöst.

Dennoch hat sich Belgrad seit den 90er Jahren zu einer modernen blühenden Metropole mit einem fast schon berühmt-berüchtigten Nachtleben entwickelt und ist unbedingt eine Reise wert. Interessante historische Städte und unberührte Landschaften laden zur weiteren Erkundung Serbiens ein.

Was gibt es in Belgrad zu sehen?

Kalemegdan fortress in Belgrade, Serbia

Die größte Sehenswürdigkeit der Stadt ist die riesige Festung, die auf einem Felsvorsprung an der Save-Mündung in die Donau thront. Sie entstand bereits in der Frühzeit als römisches Kastell und war vom 16. bis 18. Jahrhundert immer wieder Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen Österreichern und Osmanen. Heute liegt sie im Herzen des weitläufigen Kalemegdan Parks und weist zahlreiche sehenswerte Ruinen auf. Im Herzen liegt die Zitadelle, in der das Militärmuseum untergebracht ist. Wer mag, kann sich hier allerhand Kriegsgerät ansehen. Schöner ist es, dem Treiben im Park zuzusehen, der täglich von zahlreichen Einheimischen besucht wird.

Eine kuriose Sehenswürdigkeit ist die St. Sava-Kirche. Mit dem Bau des monumentalen Gebäudes nach dem Vorbild der Istanbuler Hagia Sophia wurde zwar schon 1935 begonnen, doch aufgrund von Kriegen und Geldmangel wurde bis heute nur die attraktive Hülle fertiggestellt – das Innere ist bis heute eine Baustelle. Um eine wunderschön ausgestattete serbisch-orthodoxe Kirche zu sehen, ist die Kathedrale St. Michael (nahe des Kalemegdan) die bessere Wahl. Sehr beliebt bei Touristen ist auch das dem serbischen Physiker Nikola Tesla gewidmete Museum, das Nachbauten seiner Experimente zeigt (und seine Urne aufbewahrt).

In den Abendstunden gibt es keinen schöneren Ort als Skardarlija, das „Montmartre von Belgrad“: Die kopfsteingepflasterte Skardaska-Straße ist für den Autoverkehr gesperrt, so dass sich hier ein Restaurant an das andere reiht und die Party in lauen Sommernächten gerne mal bis zum Morgen dauert. Hier gibt es typische, auch bei uns aus Balkan-Restaurants bekannte Spezialitäten wie Cevapcici und den allgegenwärtigen Pflaumenschnaps Slivovitz.

Wohin noch in Serbien?

Serbien besitzt ein gut ausgebautes Zug- und Busnetz, so dass sich von Belgrad aus viele Tagesausflüge unternehmen lassen. Ein beliebtes Ziel ist die historische Stadt Novi Sad in der Wojwodina, die 2021 Kulturhauptstadt Europas sein wird. Beeindruckende Natur gibt es im Nationalpark Derdap nahe der rumänischen Grenze zu sehen. Hier befindet sich u.a. die Festung Golubac, die auch in Mittelerde oder Westeros nicht fehl am Platze wäre und das „Eiserne Tor“, ein Durchbruchstal der Donau in den Karpaten. Hinter der Grenze ragen aus dem Stausee Eiserner Tor noch die Türme der mittelalterlichen Festung Cetatea Tricula aus dem Wasser, die beim Stauen der Donau überflutet wurde.

Wie komme ich nach Belgrad?

Zahlreiche Airlines steuern Belgrad von Deutschland aus direkt an, darunter die Lufthansa, ihr Ableger Eurowings und der ungarische Billigflieger Wizzair. Länger aber schöner ist die Anreise mit der Bahn über Wien und Budapest: Hier folgen die Züge der Strecke des legendären Orient-Expresses. Dazu lässt sich bei einer Nachtfahrt eine Hotelnacht einsparen.

Im Zentrum von Belgrad gibt es etliche günstige Backpacker-Hostels, die Einzel- und Doppelzimmer anbieten, sowie Betten im Schlafsaal. Viele befinden sich in der Nähe von Skardarlija und im Viertel Dorćol, der Belgrader Variante der heute scheinbar unvermeidlichen Hipster-Viertel. Eine Alternative sind Hausboote wie das ArkaBarka Floating Hostel am Donauufer – von hier ist es im Sommer nur einen Katzensprung zu den Belgrader Stränden und endlosen Sommerpartys in den Beach Bars.

Bildnachweis: Datei: #178930457 | Urheber: Kokhanchikov

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